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Impuls

Das Kreuz als Hoffnungszeichen

Im diesjährigen Frühling, kurz vor Pfingsten wurde an zwei Orten in Nordhessen jeweils ein Kreuz aufgestellt. Mitten in Deutschland, mitten in Europa. Eine ungewöhnliche Aktion in unserer säkularen Zeit, in der das Kreuz als Symbol eher an Aussagekraft verliert, oder sogar in öffentlichen Räumen abgehängt und entfernt wird.

Warum geschah diese Handlung ausgerechnet jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, in der die Menschen von Sorgen und Ängsten erfüllt sind? Wollten die Organisatoren bewusst oder unbewusst ein Zeichen der Hoffnung mit der Kreuzaufstellung setzen?

Veröffentlicht am
2. September 2020

Ich staune und bin tief berührt und beeindruckt, als ich von der Errichtung der beiden Kreuze erfahre.

Zudem habe ich zu beiden Kreuzen eine persönliche Verbindung.

Seit vielen Jahren beschäftigt und interessiert mich die Geschichte der iro-schottischen Mönche und des keltischen Christentums. Deshalb war ich zu drei Besuchen auf der schottischen Insel Iona, und konnte dort am Leben der Iona-Community teilhaben, einer ökumenischen Kommunität, die inspiriert von der keltischen-christlichen Tradition lebt und diese ins 21. Jahrhundert überträgt. (www.iona.org.uk).DSC_6249.JPG

An mehreren Orten auf der Insel sind keltische Kreuze zu finden, die dort dem rauen Seewind trotzen. Sie erzählen unter anderem die Geschichte des Mönchs Columba, der vor vielen Jahrhunderten auf der Insel mit seinen Gefährten gelebt und von dort aus den christlichen Glauben nach Europa getragen hat. Die keltischen Kreuze verbinden mich mit den Vorfahren meines Glaubens und bewirken in der Betrachtung eine tiefe Ruhe und inneren Frieden in mir.

Ein paar Jahre später besuchte ich zusammen mit Ilona Dörr-Wälde und Rainer Wälde von der Gutshof Akademie Frielendorf und einer kleinen Gruppe die Northumbria Community in der Grafschaft Northumberland in Nordengland. Auch dies ist eine ökumenische Kommunität, die das keltische Gebet neu belebt hat (www.northumbriacommunity.org). Bei der Northumbria Community und auf der Holy Island Lindisfarne begegneten mir an vielen Stellen keltische Kreuze mit einer ähnlichen Wirkung und Ausstrahlung wie auf Iona.

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Das Ehepaar Wälde hat in der Gutshof Akademie in Frielendorf (www.gutshof-akademie.de) das keltische Gebet der Northumbria Community in den Seminaralltag integriert. Mehrmals am Tag treffen sich Mitarbeiter*innen und Gäste der Gutshof Akademie zu Tagzeitgebeten in der dortigen Kapelle.

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Das Ehepaar hatte die Vision, vor der Kapelle ein keltisches Kreuz zu errichten. Dieser Traum ging nun im Mai in Erfüllung. Am Pfingstmontag konnte ich die feierliche „Einweihung“ des Kreuzes miterleben. Dies war für mich ein begeisternder Moment, ich spürte eine innere Verbindung zu allen, die sich um das Kreuz versammelt hatten und gleichzeitig die Zugehörigkeit zu einer Jahrhunderte alten Geschichte und Tradition.

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In einer Entfernung von nur 28 Kilometern zur Gutshof Akademie wurde zur gleichen Zeit auf der Burg Herzberg ein Pilgerkreuz vom Verein Lutherweg 1521 aufgestellt (www.lutherweg1521.de).

Der Lutherweg 1521 ist ein ca. 400 Km langer Pilgerweg, der von der Wartburg in Eisenach bis nach Worms führt. Er bildet den Weg ab, den Martin Luther im April 1521 zum Reichstag nach Worms gereist ist und zurück zur Wartburg, wo er einige Zeit inkognito lebte. Der Lutherweg 1521 wurde 2017 eröffnet und wird vom Lutherweg Verein betreut. Ich selbst konnte den ganzen Weg schon mit unterschiedlichsten Gruppen gehen. Ein beeindruckender Pilgerweg direkt vor der Haustüre!

Die Burg Herzberg in Nordhessen ist die höchste Erhebung des Weges. Der Lutherweg Verein hatte die Idee, in Anlehnung an das Pilgerkreuz „Cruz de Ferro“ auf dem Jakobsweg in Spanien ein ähnliches Kreuz auf dem Lutherweg zu errichten. Pilgerinnen und Pilger können dort einen „Sorgenstein“, den sie von zu Hause mitgebracht haben im Gebet und in der Stille am Kreuz ablegen. Das Bibelwort aus 1. Petrus 5, 7 ermutigt dazu: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch“. Welche wunderbare Zusage, gerade in der Corona-Zeit, diese oder andere Sorgen am Kreuz Christi abzulegen und darauf zu vertrauen, dass er unsere Sorgen kennt und uns beisteht und trägt!

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Anfang Juli besuchte ich zusammen mit meiner Freundin Britta Laubvogel (Mitglied im Vorstand des Lutherwegvereins) das Pilgerkreuz auf der Burg Herzberg. Beide legten wir einen Stein vor dem Kreuz ab und erlebten eine intensive Zeit miteinander in Gottes Gegenwart.

In diesem Moment war ich aber gleichzeitig mit meinen Gedanken und Gefühlen in Spanien am „Cruz de Ferro“, wo ich im Herbst 2013 mit einer Pilgergruppe unterwegs war und dort schon einmal ein Anliegen, symbolisiert durch einen Stein loslassen konnte. Die Melodie des Liedes: „meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau´ ich und fürcht´ mich nicht“ klang dabei in der Stille in meinem Herzen. Das Kreuz auf dem Herzberg steht nicht für sich alleine, sondern hat ähnlich wie das keltische Kreuz der Gutshof Akademie mit allen anderen keltischen Kreuzen, eine Verbindung mit dem „Cruz de Ferro“ in Nordspanien.

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Seit Wochen beschäftigt mich der Gedanke, dass die Errichtung der beiden Kreuze zu fast gleicher Zeit in unmittelbarer „Nachbarschaft“ kein Zufall ist, sondern ein Zeichen mit dem Gott uns zuruft: „Habt keine Angst, ich bin da, ich sorge für euch, vertraut mir!“ Und eine Erinnerung daran, dass er genau dies schon bei unseren Vorfahren im Glauben getan hat und wir eingebettet sind in einer zeitlosen Geschichte mit ihm.